Von zartem Spargel, scharfem Chili und Schmorbraten vom Steppenrind
UNIVERSUM-Magazin, Nr.1/Spezial 2005
Die zeitgemäße Verbindung von Kulinarik und Kultur, von Tradition und Lifestyle - das ist die Zukunft der Welterberegion rund um den Neusiedler See. Die Wirten und Winzer wissen um die Qualitäten der Gegend und veredeln sie zu sagenhaften Sinneserlebnissen. Eine Verkostung von Klaus Kamolz
Die erste Adresse am Neusiedler See: Evelyn und Walter Eselböcks "Taubenkobel" (Fotos: Taubenkobel)
Der Mann steht auf einem Landstrich, der seit Menschengedenken Hölle genannt wird, am Halsband baumelt seine Brille. Zwischen meterhohen krautigen Stauden, die zwischen langgezogenen Rieden wie ausgewachsene Dille aus dem Boden ragen, murmelt er seltsame Zauberwörter: "Backlim, Gijnlim, Steiniva." Für ein paar kurze Momente durchbricht die Sonne als fahlgelbe Scheibe den grauen Hochnebel; das Tageslicht flackert wie eine Glühbirne, die gerade ihren Geist aufgibt. Doch wer jetzt glaubt, hier ziehe ein finsterer Magier sein Feenheidekraut, irrt.
Backlim, Gijnlim und Steiniva sind schlicht Spargelsorten. Der Mann heißt Josef Ruttner, kommt aus Podersdorf am Neusiedlersee und führt vor, was mit seinem Bodenschatz passiert, wenn er das Licht des Tages erblickt. Er schießt ins Kraut. Das darf der Spargel im Herbst. Ab April wird Ruttner die Stangen stechen, bevor sie den sandigen Boden durchbrechen und sich binnen Minuten lila verfärben. Am 9. April 2004 hat er in seinen Feldern inmitten der alten Weinlage namens Hölle am Rand des Nationalparks Neusiedlersee die erste Stange seines Podersdorfer Seespargels aus der Erde geholt; ab 2005 geht sein Versuch auf etwa vier Hektar in Serie.
Mit seinem Ehrgeiz, Spargelbauer im Seewinkel zu werden, steht Ruttner für einen Geist, der vor gerade zehn Jahren - nicht zuletzt unterstützt durch die EU-Förderungen aus der Ziel 1-Einstufung - die gesamte Region um den See erfasst hat. Dass die UNESCO das Land im Jahr 2001 zum Weltkulturerbe erklärt hat, hat den Ambitionen vieler Produzenten und Gastronomen nur noch mehr Schwung verliehen.
Ruttner lernte den Spargel als Koch kennen, versuchte sich dann mit einer Boutique und sperrte, als im nahen Parndorf ein so genanntes Designer-Outlet mit günstigen Klamotten eröffnete, gerade noch rechtzeitig freiwillig zu. Dass er jetzt gutes Essen produziert, ist programmatisch.
Backlim, Gijnlim und Steiniva sind schlicht Spargelsorten. Der Mann heißt Josef Ruttner, kommt aus Podersdorf am Neusiedlersee und führt vor, was mit seinem Bodenschatz passiert, wenn er das Licht des Tages erblickt. Er schießt ins Kraut. Das darf der Spargel im Herbst. Ab April wird Ruttner die Stangen stechen, bevor sie den sandigen Boden durchbrechen und sich binnen Minuten lila verfärben. Am 9. April 2004 hat er in seinen Feldern inmitten der alten Weinlage namens Hölle am Rand des Nationalparks Neusiedlersee die erste Stange seines Podersdorfer Seespargels aus der Erde geholt; ab 2005 geht sein Versuch auf etwa vier Hektar in Serie.
Mit seinem Ehrgeiz, Spargelbauer im Seewinkel zu werden, steht Ruttner für einen Geist, der vor gerade zehn Jahren - nicht zuletzt unterstützt durch die EU-Förderungen aus der Ziel 1-Einstufung - die gesamte Region um den See erfasst hat. Dass die UNESCO das Land im Jahr 2001 zum Weltkulturerbe erklärt hat, hat den Ambitionen vieler Produzenten und Gastronomen nur noch mehr Schwung verliehen.
Ruttner lernte den Spargel als Koch kennen, versuchte sich dann mit einer Boutique und sperrte, als im nahen Parndorf ein so genanntes Designer-Outlet mit günstigen Klamotten eröffnete, gerade noch rechtzeitig freiwillig zu. Dass er jetzt gutes Essen produziert, ist programmatisch.
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Kulinarik ist die Zukunft, genauer gesagt: eine zeitgemäße Verbindung von Kulinarik und Kultur, von Tradition und Lifestyle. Das war nicht immer so, denn das Burgenland litt viele Jahre unter zu Tode ausgereizten Klischeeinszenierungen mit Zigeunermusik, Ziehbrunnenromantik und Pußtatourismus. Steckerlfischbuden säumten den Weg zum See, und wer unterwegs in eine Schenke fiel, der fiel oft wirklich rein. Nun aber hat sich zur sprichwörtlichen pannonischen Lebensfreude, die einst vor allem im Sautanz und den dörflichen Hochzeitsfeiern ihren Ausdruck fand, jene sympathische Spielart des Hedonismus gesellt, die von den italienischen Gründern der "Slow-Food"-Bewegung mittlerweile in vielen Landstrichen Europas populär gemacht wurde. Es geht um die Wiederbelebung alter Geschmäcker und um eine Symbiose von Küche, Region, Sprache und Geschichte, aber eben zeitgemäß. Mutig holen die Gastronomen die Welt ins eigene Land, ohne es zu verraten.
Auf den Speisekarten in den patinierten Holzstuben, den Schöner-Wohnen-Edelgasthäusern und den modern designten loftartigen Speisehallen zwischen Rust und Neusiedl, Weiden und Illmitz darf der Kohl wieder Kelch genannt werden, der Kürbis Kirwes und die Gurke Umurke, aber sie werden eben auch mit Ingwer, Zitronengras oder Chili gewürzt. Statt Letscho immer und überall gibt es immer häufiger wieder jene alten Zuspeisen, die von Dorf zu Dorf anders zubereitet wurden: Paradeiskraut, Weinkren, Bohnenstrudel.
Als Anfang der neunziger Jahre der unaufhaltsame Aufstieg des Restaurants Taubenkobel im kleinen Ort Schützen begann, kochte Walter Eselböck Wels mit Vanille und legte kleine Stücke vom geräucherten Aal in eine mit Minze abgeschmeckte Buttermilchsuppe. Seine Frau Eveline kümmerte sich um den Wein und die Tischkultur. Das Kopfschütteln über den immensen Aufwand, den die beiden mitten in der Provinz trieben, währte nicht lange. Die Spinner waren schnell als Pioniere durchschaut.
Am anderen Seeufer, in Podersdorf, nahm Josef Lentsch, der Patron des Gasthauses zur Dankbarkeit, eine ähnliche Rolle ein, wenngleich er den Eselböcks einen einzigartigen Vorreiterstatus für die gesamte Region zubilligt. "Das Kürbis auf den Tisch legen", sagt Lentsch über den Wandel vom schnellen Restaurantbesuch zum zelebrierten kulinarischen Gesamterlebnis, "und ein Kerzerl dazu stellen, das kommt alles von dort."
Im erst wenige Jahre alten Landgasthaus am Nyikospark in Neusiedl grüßt die Küche mit raffinierten Amuse Gueules und unten am See ragt mit der Mole West neuerdings ein modernes Gastro-Pier in den See; Rust ist mit dem Rusterhof, dem Restaurant im Hofgassl und dem modernen Fusion-Restaurant Inamera, wo jung und wild gekocht wird, kulinarisch bestens für anspruchsvolle Gäste gerüste; weit hinten im Seewinkel, im Illmitzer Presshaus, kann man zu moderner pannonischer Küche zwischen Blaufränkisch, Bordeaux und Barolo wählen.
Der Einfluss des Ehepaars Eselböck reicht bis nach Ungarn: In Fertörákos setzt seit Jahren Jósef Horváth um, was er im Taubenkobel gelernt hat. Sein Restaurant Ráspi ist, nicht nur nach Meinung Budapester Zeitungen, Ungarns bestes Landgasthaus. Wie viele Kollegen jenseits der Grenze ist auch Hórvath ständig auf der Suche nach neuen Edelprodukten für seine kräuterbetonte Regionalküche.
An hochwertigen Rohstoffen aus der Region mangelt es längst nicht mehr. Als Wirt und somit potentieller Abnehmer motivierte Josef Lentsch die Agrarproduzenten zu neuen Wegen und Produkten, ließ sie Prosciutto und Rohmilchkäse kosten und redete ihnen ein, dass so etwas auf der Basis regionaler Traditionen auch am Neusiedlersee hergestellt werden könne.
Deshalb betont auch Josef Ruttner, dass der Spargel am Neusiedlersee kein Spleen von ihm sei, sondern eine lange Tradition besitze. Schließlich hat sein Freund Lentsch auf dem Dachboden des 1934 vom Großvater gegründeten Gasthauses zur Dankbarkeit jede Menge Tontöpfe gefunden, mit denen der Spargel in der Zeit vor den blickdichten Plastikplanen vor dem Licht geschützt wurde. Die Sache mit den delikaten Stangen ist halt bloß eine Zeit lang eingeschlafen. Wie so vieles andere.
Auf den Speisekarten in den patinierten Holzstuben, den Schöner-Wohnen-Edelgasthäusern und den modern designten loftartigen Speisehallen zwischen Rust und Neusiedl, Weiden und Illmitz darf der Kohl wieder Kelch genannt werden, der Kürbis Kirwes und die Gurke Umurke, aber sie werden eben auch mit Ingwer, Zitronengras oder Chili gewürzt. Statt Letscho immer und überall gibt es immer häufiger wieder jene alten Zuspeisen, die von Dorf zu Dorf anders zubereitet wurden: Paradeiskraut, Weinkren, Bohnenstrudel.
Als Anfang der neunziger Jahre der unaufhaltsame Aufstieg des Restaurants Taubenkobel im kleinen Ort Schützen begann, kochte Walter Eselböck Wels mit Vanille und legte kleine Stücke vom geräucherten Aal in eine mit Minze abgeschmeckte Buttermilchsuppe. Seine Frau Eveline kümmerte sich um den Wein und die Tischkultur. Das Kopfschütteln über den immensen Aufwand, den die beiden mitten in der Provinz trieben, währte nicht lange. Die Spinner waren schnell als Pioniere durchschaut.
Am anderen Seeufer, in Podersdorf, nahm Josef Lentsch, der Patron des Gasthauses zur Dankbarkeit, eine ähnliche Rolle ein, wenngleich er den Eselböcks einen einzigartigen Vorreiterstatus für die gesamte Region zubilligt. "Das Kürbis auf den Tisch legen", sagt Lentsch über den Wandel vom schnellen Restaurantbesuch zum zelebrierten kulinarischen Gesamterlebnis, "und ein Kerzerl dazu stellen, das kommt alles von dort."
Im erst wenige Jahre alten Landgasthaus am Nyikospark in Neusiedl grüßt die Küche mit raffinierten Amuse Gueules und unten am See ragt mit der Mole West neuerdings ein modernes Gastro-Pier in den See; Rust ist mit dem Rusterhof, dem Restaurant im Hofgassl und dem modernen Fusion-Restaurant Inamera, wo jung und wild gekocht wird, kulinarisch bestens für anspruchsvolle Gäste gerüste; weit hinten im Seewinkel, im Illmitzer Presshaus, kann man zu moderner pannonischer Küche zwischen Blaufränkisch, Bordeaux und Barolo wählen.
Der Einfluss des Ehepaars Eselböck reicht bis nach Ungarn: In Fertörákos setzt seit Jahren Jósef Horváth um, was er im Taubenkobel gelernt hat. Sein Restaurant Ráspi ist, nicht nur nach Meinung Budapester Zeitungen, Ungarns bestes Landgasthaus. Wie viele Kollegen jenseits der Grenze ist auch Hórvath ständig auf der Suche nach neuen Edelprodukten für seine kräuterbetonte Regionalküche.
An hochwertigen Rohstoffen aus der Region mangelt es längst nicht mehr. Als Wirt und somit potentieller Abnehmer motivierte Josef Lentsch die Agrarproduzenten zu neuen Wegen und Produkten, ließ sie Prosciutto und Rohmilchkäse kosten und redete ihnen ein, dass so etwas auf der Basis regionaler Traditionen auch am Neusiedlersee hergestellt werden könne.
Deshalb betont auch Josef Ruttner, dass der Spargel am Neusiedlersee kein Spleen von ihm sei, sondern eine lange Tradition besitze. Schließlich hat sein Freund Lentsch auf dem Dachboden des 1934 vom Großvater gegründeten Gasthauses zur Dankbarkeit jede Menge Tontöpfe gefunden, mit denen der Spargel in der Zeit vor den blickdichten Plastikplanen vor dem Licht geschützt wurde. Die Sache mit den delikaten Stangen ist halt bloß eine Zeit lang eingeschlafen. Wie so vieles andere.
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Erich Stekovics ist gerade vom "Salone del gusto", der großen "Slow-Food"-Messe in Turin, nach Frauenkirchen heim gekehrt. Er hat dort seine eingelegten Gemüsesorten präsentiert. Den Nachbarstand in einer großen Halle hatte der Biobetrieb des Prinzen von Wales. Charles war auch einmal kurz da.
Stekovics ist mit seinen Produkten aus Paradeisern in Italien sehr gut angekommen, und das will in dem Land etwas heißen. Die Sortenvielfalt, die der ehemalige Theologiestudent in Form von Samen in kleinen Säckchen bewahrt, ist immens: 3000 verschiedene Paradeiser kann er jederzeit anpflanzen, wenn er will: schöne oder schrumpelige, gelbe oder rote, gestreifte oder gepunktete, durchwegs aber solche mit diesem So-war-das-einmal-Geschmack. Allein 23 Sorten mischt er in seine Gläser mit getrockneten Paradeisern in Öl. "Für mich", sagt er, "ist die Erhaltung all dieser Sorten auch ein Weltkulturerbe." Ebenso wie sein Paprika-Fundus: Im Sommer 2005 will er ein großes Chiliprojekt mit 300 Sorten durchziehen; milde Schoten sind dabei und solche, die 700 Scoville - die Einheit, in der die Schärfe gemessen wird - auf der eigentlich 500teiligen Skala aufweisen.
Der Erfolg von Stekovics, dessen Produkte an den besten Gourmetadressen gehandelt werden und niemanden mehr wegen ihres Preises stutzig machen, hat die Region erfasst wie ein hartnäckiger Virus. Pannonische Chutneys, Marmeladen und eingelegte Feldfrüchte aus eigener Produktion, versehen mit modern designten Etiketten, zieren jetzt über all in Österreich Vinotheksregale. Der Funke, den die burgenländischen Winzer mit dem Anspruch, das Land in die Flasche zu bringen, vor geraumer Zeit zündeten, ist auf die Landwirte übergesprungen: Sie füllen Pannonien ins Einweckglas.
Stekovics ist mit seinen Produkten aus Paradeisern in Italien sehr gut angekommen, und das will in dem Land etwas heißen. Die Sortenvielfalt, die der ehemalige Theologiestudent in Form von Samen in kleinen Säckchen bewahrt, ist immens: 3000 verschiedene Paradeiser kann er jederzeit anpflanzen, wenn er will: schöne oder schrumpelige, gelbe oder rote, gestreifte oder gepunktete, durchwegs aber solche mit diesem So-war-das-einmal-Geschmack. Allein 23 Sorten mischt er in seine Gläser mit getrockneten Paradeisern in Öl. "Für mich", sagt er, "ist die Erhaltung all dieser Sorten auch ein Weltkulturerbe." Ebenso wie sein Paprika-Fundus: Im Sommer 2005 will er ein großes Chiliprojekt mit 300 Sorten durchziehen; milde Schoten sind dabei und solche, die 700 Scoville - die Einheit, in der die Schärfe gemessen wird - auf der eigentlich 500teiligen Skala aufweisen.
Der Erfolg von Stekovics, dessen Produkte an den besten Gourmetadressen gehandelt werden und niemanden mehr wegen ihres Preises stutzig machen, hat die Region erfasst wie ein hartnäckiger Virus. Pannonische Chutneys, Marmeladen und eingelegte Feldfrüchte aus eigener Produktion, versehen mit modern designten Etiketten, zieren jetzt über all in Österreich Vinotheksregale. Der Funke, den die burgenländischen Winzer mit dem Anspruch, das Land in die Flasche zu bringen, vor geraumer Zeit zündeten, ist auf die Landwirte übergesprungen: Sie füllen Pannonien ins Einweckglas.
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Ganz im Sinn des "Slow-Food"-Leitsatzes, wonach gegessen werden soll, was bewahrt werden will, trägt auch der Nationalpark Neusiedlersee mit Projekten zur Erhaltung alter Nutztierrassen zum kulinarischen Reichtum der Weltkulturerberegion bei. Auf den Hutweiden der Kernzone des Nationalparks grasen graue Steppenrinder; in weiträumigen Gehegen grunzen schwarze wollige Mangalizaschweine - genetische wie gastronomische Ressourcen.
Von Illmitz bis Rust finden sich Produkte der Tiere auf den Speisekarten: Schweinsbackerln oder Szegediner Krautfleisch vom Mangaliza, Schulterscherzel oder Schmorbraten vom Steppenrind.
Ein bis zwei Exemplare der ausgewachsenen Hornochsen darf das Pamhagener Fleischermeisterpaar Barbara und Martin Karlo pro Monat schlachten. Dann fahren sie hinaus in den Nationalpark und beenden vor Ort ein Steppenrinderdasein, denn nicht einmal auf den paar Kilometern sollen die Tiere unter Transportstress leiden. "Außerdem", sagt Barbara Karlo, "tät ma die Viecher sowieso in keinen Wagen bringen." Freilandrinder eben.
Trocken gesalzen, kalt geräuchert und gut abgehangen ergeben die geeigneten Stücke würzigen Rindersaftschinken. Die Wirte der Gegend schmoren und kochen das Fleisch, denn bei aller Liebe, sagt Josef Lentsch, "zum Kurzbraten und zartrosa servieren eignen sich die Viecher nicht. Die sind vorne wie ein Büffel und haben einen winzigen Orsch."
Aus den ebenfalls in der Fleischerei Karlo verarbeiteten Mangalizaschweinen entstehen allerlei Würste und Selchstücke; das interessanteste ist ein Chilispeck.
Spezialitäten aus der alten Schweinerasse erzeugen auch die Betreiber des Heurigen Gowerl-Hauses in Illmitz, die Mangalizas sogar privat halten, und Josef Waba aus Podersdorf, der die Tiere in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark betreut und verarbeitet. Seine Paprika- und Kürbiskernwürste, der Speck und die Grammeln gehen auf ein Mannsbild alten Zuschnitts zurück: am ganzen Körper mit steifen schwarzen Borsten übersät, laut grunzend und gottlob allzeit bereit - so war er, der Bär von Pamhagen, Wabas erster Zuchteber im Jahr 1992. Das mächtige Tier schuf aus seinen gut durchzogenen Lenden Generationen widerstandsfähiger Schweine. Nachschub? Kein Problem.
Nicht ganz so freigiebig mit seinen Schätzen ist der See selbst. Die Netzfischerei auf dem Neusiedlersee ist ein mühsames Geschäft. Etwa 15 Berufsfischer gibt es derzeit noch; an die 50 waren es in den neunziger Jahren. "Entweder der Nachwuchs hat gefehlt oder er wollte nicht übernehmen", sagt Emmerich Varga aus Gols. Er fährt beinahe täglich hinaus, sofern das Wetter es sinnvoll erscheinen lässt. "Aber ohne GPS-Gerät ist es bei Wind oder Nebel zu gefährlich, und im Sommer oft einfach zu heiß und zu seicht."
Zudem kommt den Fischern nun einer der meistvermarkteten Fische der vergangenen Jahrzehnte abhanden: der Aal. So häufig fand er sich, in kurzen Stücken gebraten oder öfter noch geräuchert, auf den Speisekarten der Restaurants oder am Straßenrand zum Verkauf "ab Hof" angeboten, dass niemand sich vorstellen mochte, er sei eigentlich kein heimischer Fisch. Faktum ist: Der Aal wurde erst seit den fünfziger Jahren massiv eingesetzt. Mit den Nationalparkbetreibern haben sich die Fischer vor ein paar Jahren geeinigt, dass der natürliche Bestand nicht mehr ergänzt wird. Zurück zu den Wurzeln heißt die Devise auch im See.
Und so hat der Zander als beliebtester Speisefisch Pannoniens nichts mehr zu fürchten - außer die steigende Nachfrage in den Gastronomiebetrieben zwischen Mörbisch und Apetlon. Kross auf der Haut gebraten? Mit Speck und Rosmarin? Auf Topinamburgröstl oder Paradeisrisotto? Oder klassisch mit reichlich Knoblauch gebraten?
Wie heißt es im Manifest von "Slow Food"? "Wir wollen essen, was wir bewahren wollen."
Von Illmitz bis Rust finden sich Produkte der Tiere auf den Speisekarten: Schweinsbackerln oder Szegediner Krautfleisch vom Mangaliza, Schulterscherzel oder Schmorbraten vom Steppenrind.
Ein bis zwei Exemplare der ausgewachsenen Hornochsen darf das Pamhagener Fleischermeisterpaar Barbara und Martin Karlo pro Monat schlachten. Dann fahren sie hinaus in den Nationalpark und beenden vor Ort ein Steppenrinderdasein, denn nicht einmal auf den paar Kilometern sollen die Tiere unter Transportstress leiden. "Außerdem", sagt Barbara Karlo, "tät ma die Viecher sowieso in keinen Wagen bringen." Freilandrinder eben.
Trocken gesalzen, kalt geräuchert und gut abgehangen ergeben die geeigneten Stücke würzigen Rindersaftschinken. Die Wirte der Gegend schmoren und kochen das Fleisch, denn bei aller Liebe, sagt Josef Lentsch, "zum Kurzbraten und zartrosa servieren eignen sich die Viecher nicht. Die sind vorne wie ein Büffel und haben einen winzigen Orsch."
Aus den ebenfalls in der Fleischerei Karlo verarbeiteten Mangalizaschweinen entstehen allerlei Würste und Selchstücke; das interessanteste ist ein Chilispeck.
Spezialitäten aus der alten Schweinerasse erzeugen auch die Betreiber des Heurigen Gowerl-Hauses in Illmitz, die Mangalizas sogar privat halten, und Josef Waba aus Podersdorf, der die Tiere in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark betreut und verarbeitet. Seine Paprika- und Kürbiskernwürste, der Speck und die Grammeln gehen auf ein Mannsbild alten Zuschnitts zurück: am ganzen Körper mit steifen schwarzen Borsten übersät, laut grunzend und gottlob allzeit bereit - so war er, der Bär von Pamhagen, Wabas erster Zuchteber im Jahr 1992. Das mächtige Tier schuf aus seinen gut durchzogenen Lenden Generationen widerstandsfähiger Schweine. Nachschub? Kein Problem.
Nicht ganz so freigiebig mit seinen Schätzen ist der See selbst. Die Netzfischerei auf dem Neusiedlersee ist ein mühsames Geschäft. Etwa 15 Berufsfischer gibt es derzeit noch; an die 50 waren es in den neunziger Jahren. "Entweder der Nachwuchs hat gefehlt oder er wollte nicht übernehmen", sagt Emmerich Varga aus Gols. Er fährt beinahe täglich hinaus, sofern das Wetter es sinnvoll erscheinen lässt. "Aber ohne GPS-Gerät ist es bei Wind oder Nebel zu gefährlich, und im Sommer oft einfach zu heiß und zu seicht."
Zudem kommt den Fischern nun einer der meistvermarkteten Fische der vergangenen Jahrzehnte abhanden: der Aal. So häufig fand er sich, in kurzen Stücken gebraten oder öfter noch geräuchert, auf den Speisekarten der Restaurants oder am Straßenrand zum Verkauf "ab Hof" angeboten, dass niemand sich vorstellen mochte, er sei eigentlich kein heimischer Fisch. Faktum ist: Der Aal wurde erst seit den fünfziger Jahren massiv eingesetzt. Mit den Nationalparkbetreibern haben sich die Fischer vor ein paar Jahren geeinigt, dass der natürliche Bestand nicht mehr ergänzt wird. Zurück zu den Wurzeln heißt die Devise auch im See.
Und so hat der Zander als beliebtester Speisefisch Pannoniens nichts mehr zu fürchten - außer die steigende Nachfrage in den Gastronomiebetrieben zwischen Mörbisch und Apetlon. Kross auf der Haut gebraten? Mit Speck und Rosmarin? Auf Topinamburgröstl oder Paradeisrisotto? Oder klassisch mit reichlich Knoblauch gebraten?
Wie heißt es im Manifest von "Slow Food"? "Wir wollen essen, was wir bewahren wollen."
